Wir sind ja zum arbeiten hier und so steht heute der erste Uni-Tag an, leider ohne Schultüte, :-D. Nach dem Frühstück geht es los. Die ist nur drei Fahrtminuten vom Hotel entfernt. Die Ausstattung des Konferenzsaals ist beeindruckend, ein großer Rundtisch mit Mikrofonanlage. Diese sorgt für einige Erheiterung, denn teilweise biete sie beeindruckend Klangerlebnisse wie fiepen oder ohrenbetäubendes Knacken. Erwähnenswert ist auch der Name des Saales. Ins Deutsche übertragen heißt er: “Saal der nach Pavle Zazadze benannt ist”. Eine nette linguistische Eigenheit. Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn man dieses Konzept auf mich übertragen würde: “Person, die von ihren Eltern Chris genannt wurde.” Interessant und ganz ohne Ironie – sicherlich ein Ansatz, dem ich in den nächsten Wochen gerne auf den Grund gehen möchte. Gerade vor einem doch sehr direkten deutschen Muttersprach-Hintergrund sind eher ausschweifende Sprachen sehr interessant.

Besonders beeindruckend finde ich die Uni-Toiletten. Gekachelte Löcher im Boden sind nichts außergewöhnliches, aber es gibt einige auffällige Details. So sind die Klotüren beispielsweise so niedrig, dass eine aufrecht stehende Person drüber schauen kann. Hm, entweder soll es dem Klobesucher, die Möglichkeit geben auch Dinge außerhalb der Kabine wahrzunehmen oder es ist eine sehr drastische Aufforderung, die Toilette in der Hocke zu benutzen. Denn Hocken ist der einzige Weg, um Blicken zu entgehen. Am interessantesten finde ich aber die Kennzeichnung von weiblichen und männlichen Einrichtungen. Auf das Männerklo weist eine Zeichnung von einem Mann hin. Die Frauentoilette hingegen ist mit einer Reklame für elektrische Haartrockner ausgeschildert. Haha, die Bilder in meinem Kopf gebe ich hier nicht wieder, :-D.

Alte Burg in neuem Gewand
Nach zwei langen Vorträgen haben wir uns dann einen Abstecher zum Museum verdient. Dieses ist in der Burg untergebracht, die auf einem Berg innerhalb der Stadt thront. Hm, Bergtäler, Fluss und Burg – klingt nach Marburg könnte man meinen. Naja, nicht wirklich. Die Altstadt rund im die Burg ist zwar auch in einem sehr guten Zustand, aber der ist erst vor einigen Wochen so hergestellt worden. Auch die Burg wurde erst vor zwei Tagen nach einem umfassenden Wiederaufbau vom Präsidenten eingeweiht. Der Name “Akhaltsikhe = neue Burg” bekommt plötzlich einen richtig tiefen Sinn. Denn abgesehen von ein paar alten Mauerresten, wurde alles neu errichtet. Dabei spielten weniger historische Erkenntnisse als architektonische Vorlieben der Bauherren eine Rolle. Es gibt einige Auffälligkeiten. Das Innere der Türme besteht aus gegossenen Betonböden, einige Räume haben Steckdosen und Heizungsanschlüsse und die Kuppel auf der Moschee ist so vergoldet, dass sie schon über Kilometer zu erkennen ist. “Das passt besser in den Jemen als nach Georgien”, so eine georgische Einschätzung aus unserer Gruppe. Über die Gestaltung dieser Attraktion kann man trefflich streiten, aber Touristen scheint es anzuziehen und als Touristenmagnet war es gedacht. Interessant finde ich eher, dass die Arbeiten vor allem an den Außenanlagen noch im vollen Gange sind. In einen halben Jahr wird dieser Ort noch neuer sein, :-D.

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