Ab heute wird es ernst. Von nun an zählen Ergebnisse. Wir teilen unsere 10er Gruppe in kleinere Kommandoeinheiten auf und schwärmen aus. Ziel ist es in Zugdidi möglichst viel über den grenzüberschreitenden Handel zu lernen. Dabei möchten wir herausfinden, ob und wenn ja, von wem und warum geschmuggelt wird.
Meine Team stapft einfach zur Monitoring Mission der EU (EUMM), um dort nachzufragen, ob sie mit uns sprechen oder uns mit kurzen Informationen versorgen. Hm, kurz ist relativ. Und so verlassen wir das Büro nach einer Weile mit zahlreichen Infos, Blöcken und Kugelschreibern. Vor allem mein Frosch ist glücklich, er bekommt ein sehr offizielles Foto vor dem EUMM-Schild.
Nach diesem Gespräch geht es zu einer lokalen NGO. Diese erzählt uns, dass sie Einkommen schaffende Maßnahmen für Flüchtlingsfrauen in der Region fördert. Diese Frauen sollen Honig und Gewürze produzieren und in Abchasien verkaufen. Also muss der Handel über die Grenze hinweg auch auf legalen Weg möglich sein. Oder ist die UN etwa die treibende Kraft hinter den Schmugglern? Denn verschiedene UN-Organisationen fördern die Trainingsmaßnahmen für die Frauen.

Rallye-Fahrer
Nachmittags geht es zum Meer. Auf der Hinfahrt nehmen wir ein Taxi. Dabei fällt mir wieder auf, wie begabt georgische Autofahrer sind. Scheinbar mühelos passen sie sich an nicht existierende Regeln an, denn für einen Außenstehenden wirkt es, als ob Verkehrsregeln von jedem Teilnehmer sehr spontan erfunden und immer direkt an die Situation angepasst werden. Finnische Rallye-Fahrer, denen man nachsagt, die besten der Welt zu sein, sollten sich noch wärmer anziehen. Durch die Herausforderung der Straße – tiefe Löcher und Vieh – ist jeder Fahrer Pilot und Navigator in einem, also ein perfektes Team. Allerdings wird es eben aufgrund der Straßenverhältnisse noch etwas dauern bis die georgische Konkurrenz auf den Weltmarkt drängt. Die Anreise dauert schlicht zu lang, :-D. Aber wenn Kuh-Slalom eines Tages olympisch wird, gehen die ersten Plätze sicherlich an Georgier, :-D. Zumal heute auch Wasserbüffel den Straßenrand säumen. Level 2 so zu sagen.

Schwarzes Meer
Aber zurück zum Meer. Dieses heißt “Schwarzes Meer” und ist heute recht grau-grün. Die vielen schwarzen Kiesel rechtfertigen den Namen aber doch. Die Gegend wo wir landen ist touristisch sehr erschlossen, wobei einerseits die abchasische Grenze etwa 500 Meter von unserem Badetuch-Lager verläuft und andererseits das Hinterland viele georgische Flüchtlinge (IDPs) aus Abchasien beherbergt. Davon bekommt man am Strand aber nichts mit. Hier herrscht Urlaubsstimmung, mit lauten Beats, Wasserrutsche und anderen Attraktionen. Einzig die erhöhte Polizeipräsenz ist auffällig. Erst der Rückweg wird zur richtigen Attraktion. Zunächst wird der Minibus in dem wir sitzen von einer aufgeregten Gruppe von Leuten gestoppt. Diese drängen sich dann auch noch alle mit an Bord, so dass es ziemlich kuschelig warm wird. Naja, was soll es, die Sonne ist eben untergegangen und irgendwie muss ja das Hitzelevel gehalten werden. In dem Gedränge finde ich Glückskind mich bald neben einer alten, etwas verschwitzen Dame wieder. Dieser rückt mir sehr auf die Pelle, weil sie sich die Fahrzeit mit einem ausgiebigen Wortgefecht mit dem Fahrer versüßen will. Das gelingt ihr zur Belustigung der anderen Insassen recht gut. Als wir die Dame los sind, geraten wir in eine Militärkontrolle. Nein, die grimmigen Beamten mit Gewehren suchen nicht nach der Dame, sondern kontrollieren nur sporadisch, wer sich so in der Region tummelt. Bald stehen Wahlen an, da will man ja sicher sein.

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